„Selbst ist der Mann“ war schon immer die Devise der Fanfarenzügler. Warum sollten sie nicht ein eigenes Vereinsheim bauen und somit Herr im eigenen Hause sein? Die über Jahre andauernde Odyssee beweist, wie weitsichtig damals die Verantwortlichen mit ihren Ideen, dem eigenen Domizil, waren.

 

Dass erst Jahre später dieser Traum erfüllt werden konnte, lag meiner Meinung nach an der Tatsache, dass der Fanfarenzug Otterstadt für seinen verständlichen Wunsch keine maßgebenden Fürsprecher (heute würde man Lobby sagen) hatte. Ob ein finanzielles Fiasko des Fanfarenzuges befürchtet wurde oder anderes,  sei dahingestellt.

 

Im Oktober 1969 jedenfalls hat der Aktive Hans Elzer einen „Vorentwurf zum Neubau einer Vereinshalle“ gefertigt nebst Kostenaufstellung; diese lautete

 

                    Zusammenstellung

                    I. Rohbau                        DM   34.976,10

                    II. Innenausbau              DM   47.165,34

 

                   


Erich Peter Kuhn©

Redaktionell ergänzt im Juli 2014

Gesamtkosten                  DM   82.141.,44


                                

Es waren vorgesehen eine Vereinshalle (Saal und Bühne) mit Seitentrakt (Gardarobe, Küche, Ausschank, Toiletten und Instrumentenraum) und Keller. Als Gesamtfläche ergaben sich 25,48m in der Länge und 17,68m in der Breite.

 

Die erwähnte Odyssee und der Stolz der Fanfarenzügler brachten immer wieder das Verlangen nach einem eigenen Vereinsheim zur Sprache. Während der Verantwortung von Karl-Heinz Schneider (Vorsitzender vom 17.01.1969 bis 07.01.1972) und  Ernst  Sturm

(Vorsitzender vom 07.01.1972 bis 06.01.1978) fehlte der entscheidende Biss, ein Projekt dieser Größenordnung zu planen, zu vertreten, zu leiten und erfolgreich zu beenden.

 

Am 25. August 1977 teilte Ernst Sturm in der Ausschusssitzung den Anwesenden mit, dass nach Aussage von Franz Elzer die Kreisverwaltung als untere Baubehörde keine Baugenehmigung erteilen würde.

 

Bei der Übernahme des Musikvereins „Blaue Husaren“ Otterstadt e.V. am 6. Januar 1978, im jugendlichen Alter von 30 Jahren, versprach ich den Musikern mich dafür einzusetzen, den Wunsch nach einem eigenen Vereinsheim zu realisieren.

 

War das nun Phantasie oder Euphorie eines jungen spontanen draufgängerischen Burschen, der einer Selbstüberschätzung unterlegen war? Oder sollte nur Eindruck demonstriert werden.

 

Keineswegs habe ich diese Äußerung blindlings von mir gegeben. Ich war nun 15 Jahre aktiv im Vereinsleben eingebunden und konnte den Zusammenhalt bei allen Veranstaltungen, die Tatkraft und Energie der Aktiven miterleben. Ich spürte,  Ihnen fehlte ganz einfach eine Leitfigur, die diese Energie und Tatkraft abruft und in die notwendigen Bahnen lenkt.

 

Mit diesem Wissen und einer von mir erstellten Kosten/Nutzenrechnung war mir nicht Bange das Projekt anzugehen und zu verwirklichen. Dass ich in einer Übungsstunde jeden ein-

 

 

zelnen öffentlich nach seiner Bereitschaft beim Bau des Vereinsheimes mitzuwirken fragte, sollte nur zeigen wie ernst ich die ganze Angelegenheit nahm.

 

War es nun Glück oder Zähigkeit dass rund 30 Monate später die Baugenehmigung für das eigene Domizil zur Verfügung stand?

 

Sparsam waren wir schon immer, weil wir eben  bauen wollten. Aber  genügen würde das angesparte Kapital bei weitem nicht. Deshalb war eine der ersten Maßnahmen, mehr Geld in die Kasse zu bekommen, die Erhöhung der Mitgliedsbeiträge. Bei der Jahreshauptversammlung 1979 wurde - ohne Gegenstimme - der Erhöhung der Beiträge um 100% zugestimmt.

 

Am 19. Februar 1978 – eineinhalb Monate nach meiner Wahl zum Vorsitzenden - besichtigten der Vorstand und die Ausschussmitglieder, sowie der Architekt Franz Elzer einen Platz an der Kollerstraße, gegenüber der Festhalle der Gemeinde Otterstadt. Es handelte sich hierbei um die ersten drei Gärten links des Entwässerungsgrabens.

 

Unser Kassier Ernst Sturm hatte bereits mit den drei Pächtern der Gärten gesprochen und deren schriftliche Zusicherung erhalten, auf die Gärten, zugunsten des Musikvereins, zu verzichten.

 

Erich Kuhn, Klaus Erbach, Gerhard Blau und Ernst Sturm waren einen ganzen Abend bei Franz Elzer und besprachen das Bauvorhaben. Daraufhin fertigte im März 1978 Franz Elzer eine Planskizze zur Bauvoranfrage  bei der Kreisverwaltung Ludwigshafen –untere Baubehörde-.

 

Es bewegte sich überhaupt nichts. Hatte Franz Elzer in unserem Interesse umgehend gehandelt?

 

 

 Am 22. Oktober 1978 fahren

                                        Klaus und Bärbel Erbach

                                        Alois Hangg

Karl-Heinz Schneider                                    Erich und Inge Kuhn

 

nach Achstetten. Dort besichtigen sie das Vereinsheim des Musikvereins Achstetten e.V. Wir sind begeistert und beabsichtigen den Übungssaal zu kopieren. Das gesamte Heim wird bildlich festgehalten. Nach vielen Fragen zum Bau und der Nutzung des Vereinsheimes fahren wir gut gelaunt nach hause.

 

Im Dezember 1978 fertige ich einen ersten Grundriss nach meinen Ideen an. Ein zweiter folgt, der dann als Grundlage für die Erstellung der Baupläne durch Hans Elzer diente.    

         

Franz Elzer kommt mit seinen Vorstellungen bei der zuständigen Baubehörde nicht an. Außerdem dauert mir alles zu lange. Bei einem Gespräch mit Bürgermeister Erich Flory habe ich meinen Unmut geäußert. Offensichtlich gab es daraufhin parteipolitisch Zoff. Die Folge war, dass die Zusammenarbeit mit Franz Elzer ad acta gelegt wurde.

 

Ein neuer Architekt musste her. Hans Elzer, der bereits planerisch beim ersten Bauwunsch tätig war, übernahm unverzüglich die Aufgabe. Im April 1979 fertigte Hans Elzer die Planungsunterlagen.

 

Eine herbe Enttäuschung erlebten wir, als von der Kreisverwaltung Ludwigshafen erneut die Absage kam. Eine halbe Seite Text weshalb abgelehnt wurde und drei Seiten Paragraphen zur Begründung.

 

Die Ablehnung erfolgte hauptsächlich deshalb, weil wir  zwischen Baugrenze und  Kollerstraße nicht genügend Abstand hatten; außerdem waren laut Plan nicht ausreichend Parkplätze vorhanden.

 

Am 23. Mai 1979 flatterte eine Einladung der CDU Kreisverband Ludwigshafen –Frauenvereinigung - für den 5. Juni 1979 ins Haus.

 

Tagesordnungspunkt u.a. „Gespräch der Vorsitzenden der kulturtragenden Vereine mit Frau Dr. Hanna-Renate Laurien, Ministerin für Familie, Jugend und Soziales“

 

 

Ernst Sturm und ich nahmen die Einladung an. Anwesend waren neben etlichen Vereinsvorsitzenden auch der Landrat Herr Paul Schädler.

 

Ich packte die Gelegenheit beim Schopf und schilderte Frau Hanna-Renate Laurien die prekäre Situation des Übens und der

 

 

mehrfachen Absage unseres Bauwunsches. Sie verwies auf die Zuständigkeit des Kreises und an den neben ihr sitzenden Landrat Schädler. Mein Wunsch sie als unser Zugpferd in Sachen Baumaßnahme zu gewinnen, wurde offensichtlich indirekt erfüllt.

 

Am 31. August 1979 bekamen wir telefonisch Nachricht von Landrat Paul Schädler die Baupläne nochmals einzureichen.  Die Gemeinde Otterstadt hatte den Baunutzungsplan neu erstellt. Zusätzlich erhielten wir von der Gemeinde Otterstadt zu den drei Gärten –auf Erbbaurecht- den dahinterliegenden Acker, den die Gemeinde von Erich Flory erwarb. Einen weiteren dringend benötigten Acker hat Richard Schmidt einfach nicht verkauft.

 

Bei einem Ortstermin mit der Straßenbaubehörde über die Distanz Baugrenze zur Straße und der erforderlichen Parkplätze konnte eine Einigung erzielt werden. Die deshalb notwendigen

Änderungen des Planes nahm Hans Elzer umgehend vor und war nun ständig am „Ball“.

 

Wegen einer neuen Idee musste Hans Elzer noch einmal die Pläne ändern, und zwar bedrängten Klaus Erbach und ich unseren Hans Elzer mit dem Wunsch einen Jugendraum und zwei Lagerräume zu berücksichtigen. Zusätzlich fiel dadurch die Mittel wand höher aus und es war natürlich eine Treppe zum Obergeschoss notwendig. Diese wurde im Schlachtraum eingeplant.

 

Die Kreisverwaltung sah daraufhin unser Begehren mit anderen Augen. Einer Genehmigung stand grundsätzlich nichts mehr im Wege. Allerdings dauerte es noch bis zum 14. August 1980 bis der „Rote Punkt“, die Baugenehmigung bei uns eintraf.

 

Im Oktober/November werden noch weitere Vereinsheime besichtigt, so bei der Marinekameradschaft in Hassloch und dem Gesangverein in Unteröwisheim.

 

 

Seit der Fertigstellung der Planskizze durch Franz Elzer waren rund 28 Monate vergangen. Seit meinem Amtsantritt 30 Monate.

 

Die Finanzierung bewegte sich im Rahmen meiner Planspiele. Allerdings bekamen wir außer von der Gemeinde Otterstadt keine öffentlichen Zuschüsse. Mit erheblichen Spenden von privater Seite, den Banken und der Verbandsgemeinde konnten wir unser Kapital erhöhen. Am 31. Juli 1982 beauftragten mich die Vorstandskollegen Klaus Erbach, Edgar Blau und Ernst Sturm bei der Kreis- und Stadtsparkasse Speyer über ein Darlehen in Höhe von höchstens 90.000,oo DM zu verhandeln. Benötigt wurden nur 53.487,59 DM. Dies abzuzahlen war uns ohne weitere Erhöhung der Mitgliedsbeiträge möglich.

 

Zur Generalversammlung am 16. Januar 1981 waren

 

                                                             44.314,59 DM „verbaut“.

 

Die Rohbauabnahme verlief ohne Beanstandung!!!

 

Zur Jahreshauptversammlung am 26. März 1982 waren es

 

                                                             137.000,oo   DM

 

Noch zu erwartende Ausgaben wurden mit

 

                     83.000,oo    DM  

veranschlagt

 

Die Eigenleistung betrug                                                                                                                                    130.000,oo   DM

 

Gesamtsumme                                      350.000,oo   DM

 

Zur Jahreshauptversammlung am 25. März 1983 waren es                                                                             

220.205,65  DM

 

 

 

Darlehenskosten                                  53.487,59    DM

 

Restbauleistungen

(die nicht sofort erforderlich waren)    30.000,oo     DM

 

Die Brandversicherungsurkunde lautete auf 647.800,oo DM und das Inventar auf 70.000,oo DM Versicherungssumme.

 

In einer nicht zu überbietenden Energieleistung wurde von den Musikern neben ihrem eigentlichen Hobby Musik, das eigene Vereinsheim erstellt. Insgesamt waren 97 verschiedene Personen –direkt oder indirekt-, regelmäßig oder im Einzelfall,  an der Baumaßnahme beteiligt. An der Vielzahl der Helfer  ist zu erkennen, dass auch passive Mitglieder, Freunde und Sympathisanten des Musikvereins einen oder mehrere Einsätze leisteten. Eine Rangfolge über geleistete Arbeitsstunden oder besonderen Einsatz möchte ich nicht erstellen, weil alle geleisteten Arbeiten zur Vollendung des Vereinsheimes beitrugen und einen lange gehegten Wunsch endlich erfüllten.

 

Für mich ganz besonders wichtig war auch, dass außer ein paar Blessuren während der ganzen Bauzeit kein Unfall geschah. 

 


Erich Peter Kuhn©

Redaktionell ergänzt im Juli 2014